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Venedig - nicht nur zur Biennale 13.09. bis 16.09.2007

Die Bilder kamen von allen Seiten, die Bilder der Kunst, die Bilder des Lebens. Sie verschwammen zu traumhafter Kulisse. Und stiegen wie Märchen aus den Kanälen.

Wenn wir im morgendlichen Dunst im Vaporetto vom Lido kamen, schwammen uns der Dogenpalast und der Campanile entgegen.
Wir gingen durch kleine Gassen, wo Kinder Fußball spielten wie überall in der Welt. Die Kirchentüren waren geöffnet: Tintoretto und Bellini, ganz selbstverständlich. Und Madonnen, schöne, strenge, sanfte.

Im Palast Fortuny war alte Kunst neben moderner Kunst aufgestellt, zum „begreifen“ deutlich: sie bedingen sich.
Als wir am Guggenheim-Museum vorbei fuhren auf dem Canal Grande, schien es uns weiß und flach, sehr bescheiden in mitten der stolzen Paläste. Als wird drinnen herumflanierten, verschlug es uns den Atem. 1949 hat Peggy den unvollendeten Bau gekauft, sie konnte sich austoben. Ein Hauch früherer Lieben hing in den Räumen. Und die Bilder zeigten, wer hier war. Sprachlos standen wir vor den Picassos, Brancusi, Chagall, Max Ernst.....
Frau von Berswordt machte die Kunst irdisch, sie holte sie ins Leben zurück.

Zwischen den Bildern der Kunst die Bilder des Alltags. Wir gingen über den Marcusplatz, stiegen auf den Campanile und hatten den großartigen Blick auf ein Kunstwerk, inmitten von Wasser, wir saßen im Cafe Florian, umsäuselt von Salonmusik, zwischen Tauben und Menschen aus aller Welt. Denen wir uns nahe fühlten, als hätten wir schon lange Zeit mit ihnen verbracht. Wir gingen über die katzbuckelnden Brückchen und sahen den Gondolieri zu, die ihre Gäste durchs Wasser stakten und aus voller Brust sangen. Alles wie erwartet, alles wie seit Jahrhunderten.

Dann die Biennale, in einer Stadt, wo einen Kunstwerke aus allen Ecken anschreien. Ein Wagnis. Das gelingt, immer wieder. Weil hier das heutige Leben verhandelt wird. Große Namen sind zu besichtigen: Martin Kippenberger, Sophie Calle, Gerhard Richter, Sigmar Polke....
Im deutschen Pavillon stellt Isa Genzken aus, eine Künstlerin, die ein großes Glück ist, sagt der Kurator Schaffhausen, sie öffne neue und komplexe Sinnzusammenhänge.
An den Abenden unter dem Himmel Venedigs finden wir andere Künstler interessanter, Jenny Holzer zum Beispiel, die uns zwischen „Rätsel und Botschaft“ aktueller erscheint, mit der gestalteten Darstellung des Irakkrieges.

Venedig – Salon der Welt, sagte Eva Demski: Der morbide Charme, die abblätternden Fassaden, die algenumwundenen Pfähle, die nach Muscheln riechenden Gassen, die stolzen Paläste und ihre Gefährdung. Glanz und Macht manifestiert. Das Wasser leise plätschernd in der Sonne. Eine Bühnenkulisse, und wir sind Akteure für kurze Zeit. Hier riecht es nach Sehnsucht und Schönheit und Vollendung.

„Wenn ich an Venedig denke, ist mir, wie wenn ich schöne Musik gehört, ein gutes Buch gelesen oder mit einem lieben Menschen gesprochen hätte“, schreibt Anselm Feuerbach. Ja, das alles und die Begegnung mit der großen Kunst.
Wie auch am letzten Tag in Padua in der großartigen Scrovegni-Kapelle. Unvergessen. Wir nehmen die Eindrücke mit in den nördlichern Alltag und sind ein bisschen reicher nun…

Gitta Lindemann, September 2007

Marie Hager
Marktleben in Wismar,
l auf Leinwand
66 x 75 cm
Foto: E. Walford