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Bericht Freundesreise zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

Eine ganze Region, eine Agglomeration von 53 Städten und 5,3 Millionen Menschen zur Kulturhauptstadt zu machen – das ist eine wahnwitzig gute Idee und eine ebenso wahnwitzig aufwendige Organisations- und Überzeugungsarbeit. Jedoch: Es hat geklappt, der Zuschlag wurde erteilt und das Ganze wurde ein Riesenerfolg.
Wir Freunde wollten dabei sein – und nach der Kulturhauptstadt Istanbul nun diese kennen lernen. Ein echtes Kontrastprogramm.

Doris Blübaum, Kunsthistorikerin und Ehefrau unseres Direktors, hatte im Frühjahr mit einer Gruppe Freundinnen eine Früherkundung gemacht – und ließ uns von diesen Erfahrungen profitieren.

Freundesreise zur Kulturhauptstadt Europas

Doris Blübaum hatte uns ein fabelhaftes Programm gezimmert. Anne Leibold übernahm die Koordination und 13 Personen fuhren mit. Erste Station war Essen – und gleich am Ankunftsabend brachen wir mit der "Kulturstraßenbahn" zu einer ersten Rundfahrt auf und landeten auf der Zeche Zollverein - sicherlich einem der bedeutendsten Industriedenkmale überhaupt (UNESCO-Weltkulturerbe) - riesig, einst größte Steinkohlenzeche der Welt, im Stil der neuen Sachlichkeit und voller neuem Leben. Wir genossen einen Drink im Abendsonnenschein mit Blick auf all die neuen Museen „auf Zollverein“, die wir am nächsten Tag besichtigen wollten: Das ungeheuer imposante Ruhr Museum mit irrwitziger knallroter Rolltreppe außen, das in der ehemaligen Kohlenwäsche die Geschichte der Region präsentiert, das red dot design museum mit dem markanten Gegensatz von modernem Design und alter, schrundiger Industriearchitektur. Alles voller Menschen, Restaurants und „Events“, dazwischen aber auch durchaus nicht restaurierte Industrieruinen – und moderne Architektur wie beim Gebäude des japanischen Büros SANAA; High Tech vom Feinsten, reduziert und mit scheinbar zufälligen, aber in Wirklichkeit nach dem Lichteinfall geordneten Fenstern und voller Fotografie der Becher-Schüler: „Ruhrblicke“ heißt die Ausstellung doppeldeutig.

Freundesreise zur Kulturhauptstadt Europas

Am nächsten Tag: Duisburg mit Stadtführung und Spaziergang durch den revitalisierten Innenhafen mit moderner Architektur (u.a. Foster) und neuer Gestaltung und dem privaten Museum Küppersmühle (eine alte riesige Mühle), das gerade einen neuen An- oder besser Aufbau von Herzog und de Meuron erhält – auch privat finanziert. Nachkriegskunst vom Feinsten (Sammlung Ströher) mit einer exzellenten Führung. Nur kalt war es überall – und, von uns allen mit Überraschung festgestellt, das Ruhrgebiet ist uralt und nicht erst mit der Industrialisierung auf die Landkarte gekommen.
Abends Aufwärmen bei einem fabelhaften Italiener gleich um die Ecke vom Hotel – den wir schon am Vortag zum Stammlokal ernannt hatten.

Freundesreise zur Kulturhauptstadt Europas

Am letzten Tag dann das Kontrastprogramm zur Zeche – das neue Museum Folkwang von David Chipperfield in Essen, finanziert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (mit 55 Millionen Euro), ausgestattet mit einer hochkarätigen Sammlung – und einer wunderbaren Architektur, die das ganze Haus mit Tageslicht leben lässt. Wir kamen aus dem Staunen und Bewundern nicht heraus. Und die Stadt stellt einen Shuttlebus zwischen Bahnhof und Museum für den kostenlosen Transport.

Freundesreise zur Kulturhauptstadt Europas

Ankunft Schwerin Sonntag 19.49 Uhr – voller Eindrücke, Bewunderung – ja, auch Neid. So viel Engagement für die Kunst darf einen schon neidisch werden lassen...vom Geld ganz zu schweigen.

Marianne Tidick

Marie Hager
Marktleben in Wismar,
l auf Leinwand
66 x 75 cm
Foto: E. Walford