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Bericht Freundesreise nach Kopenhagen

Unterwegs in Kopenhagen

Übers Wasser also zunächst, das ruhig atmet. Wir können auf dem Panoramadeck stehen und die Gesichter in die Sonne halten, die uns tröstlich wärmt. Von Gedser fahren wir durch die herbstliche Landschaft, abgeerntete Felder, manchmal noch Strohballen, aber die Baumgruppen tragen noch Grün.
Frau Blübaum versorgt uns aufs Vorzüglichste mit Informationen:
In Erinnerung bleibt vor allem: Dänemark sei nach einer Studie von 2009 das Land mit den glücklichsten Menschen und Kopenhagen ist die viertteuerste Stadt der Welt, was wir dann bestätigen werden.

Unser Hotel liegt neben dem Schloss Rosenborg. Unser erster Weg. Wir gehen durch einen sehr gepflegten Park, den wir gebührend bewundern und werden vom Leiter des Museums begrüßt. Er erklärt uns, dass das Museum in staatlichem Besitz ist, aber der Inhalt der Königsfamilie gehört. Wenn sie also von ihrem kostbaren Geschirr essen will, müssen sie es rausrücken. Zwischendurch aber darf es das Publikum bewundern. Und wir hören von den Sponsoren. Das wird uns durch alle Museen begleiten: das bürgerschaftliche Engagement, das hier sehr viel deutlicher ausgeprägt ist als bei uns.
Wir sehen: zunächst einen Tanz, eine Ballettgruppe darf den Festsaal verzaubern. Ansonsten speisen hier einmal im Jahr die 35 Träger des Elefantenordens, die Sponsoren also. Mehr darf nicht sein, damit die wertvollen Gläser, Möbel, Gemälde, Tapisserien nicht beschädigt werden.
Wir sehen weiter: die Schatzkammer: Viele Edelsteine, viel Glas, viel Elfenbein, höchst kunstvoll gestaltet, viel Porzellan, viel Schmuck.
Vor allem die Kronen und das Geschmeide der Königin. Zum Beispiel jenes grüne Diadem, das sie zu Silvester trug. Es gibt einen Schlüssel und zwei Männer, die die Vitrine öffnen dürfen: Der Museumsdirektor und der Kämmerer vom Königshause.
Schloss Rosenborg ist ein besonders schlanker Bau, der elegant in die Höhe strebt.

Dann ein Spaziergang durch das Zentrum, in die Marmorkirche im Stadtteil Frederiksstaden, das einheitlichste Rokokoensemble Europas mit dem Schloss Amalienborg, wo wir zufällig die Wachablösung der Soldaten mit den Puschelmützen erleben und schließlich zum Kanal Nyhavn, der ältesten Hafenanlage der Stadt.
Hier scheint sich alles zu treffen: Einwohner und Touristen, Künstler und Gaukler. Sie alle wollen hier am Wasser sitzen und schwatzen und gucken und den Jazzmusikern zuhören, die kanalaufwärts und –abwärts ziehen. Und alle wollen essen und trinken. Und das ist das Problem, Plätze gibt es nicht genug, da sitzt man dann eben auf der Kaikante. Glückliche Menschen eben. Die sehen wir dann auch in den Straßen. Heiter, bunt, jung, lächelnd, wie sie in der Sonne sitzen in den Cafes, wie sie flanieren, an den Brunnen sitzen, sich in die Geschäfte schieben, eilig oder bedächtig. Ein Hauch von Glück scheint über der Stadt zu liegen. Oder ist es nur der Zauber der Sonne, die sich endlich wieder gezeigt hat, nachdem es auch hier lange Zeit geregnet hat.

Am nächsten Tag fahren wir nach Louisiana, in das meist besuchte Museum für moderne Kunst Dänemarks, eine halbe Million kommen jährlich hierher. Und das ist sofort zu verstehen. Ein wunderbarer Park, der zum Meer hinabfließt, darüber der weite Himmel mit Wattewolken. Wie nebenbei stehen die flachen Ausstellungsräume, deren Größe von außen nicht zu ahnen ist. Sie gehen in die Tiefe. Innen sieht man durch große Panoramafenster nach draußen, innen und außen gehen ineinander über. Die Plastiken im Park sind auch innen nahe. Es gibt eine ständige Ausstellung mit Rauschenberg, Kiefer, Giacometti, Picasso und anderen. Und es gibt wechselnde Ausstellungen.
Wir sehen „Living“. Wie leben wir, in welcher Umgebung, wie gehen wir miteinander um, an welchen Plätzen der Welt. Leben wir allein oder in großen Gruppen? Welche Träume haben wir, wie sieht die Realität aus. 120 Projekte sind zu sehen, von Indien, Russland bis zu den europäischen Roma. Idylle und Horror. Fotos, Installationen, Modelle von Wohnungen, Häuser im Hochhaus, Menschen in Wohnkäfigen, es gibt keine Intimsphäre, wie leben Migranten, eine Koreanerin schiebt sich mit ihrer gesamten Habe auf einem Karren, der wie ein Kamel wirkt, durch die belebten Pariser Straßen, sie wird keine Heimat finden.
Zum Anfassen ein Baumhaus aus Holzlatten, das draußen rot leuchtend in der Sonne steht und sein Licht ins Innere wirft.
Oder Dokumente von „Burning man“, einem Festival, zu dem jährlich 50000 in die Wüste nach Nevada kommen, dort ein temporäres Haus errichten und es dann wieder vernichten. Es wird dafür gesorgt, dass am Ort des Festivals keine Spuren (insbesondere Abfall) hinterlassen werden.
Eine vielseitige und vielschichtige Ausstellung, die zum lang anhaltenden Nachdenken über die Veränderung in der Welt anregt.

Die nächste Station ist das Museum Ordrupgaard. Dort interessiert uns der Neubau, der an ein altes Fachwerk gesetzt wurde. Die Architektin Zaha Hadid hat ein Haus errichtet mit einem abgerundeten dunklen Dach und Wänden aus Glas, das in der Landschaft zu schweben scheint. Beeindruckend. Gezeigt wird die Ausstellung „Tour de France“, französische Landschaftsmalerei des 19. und 20.Jahrhunderts.

Ein weiteres Beispiel für gelungene Erweiterungsbauten sehen wir am nächsten Tag im Statens Museum for Kunst in Kopenhagen. Das ursprüngliche Gebäude erinnert an das Schweriner Museum. Ein Gebäude aus dem Jahre 1896, das 1998 erweitert wurde. Auch hier viel Glas, lichte hohe Räume, die wir leider nur von außen betrachten konnten, weil eine neue Ausstellung vorbereitet wurde. Aber erkennbar war, wie großartig sich der Bau in den gepflegten Park mit See schmiegt. Zwischen Alt- und Neubau liegt ein überdachtes Atrium, das einen Skulpturenweg bietet. Auch hier wieder haben Sponsoren die Erweiterung möglich gemacht.
Im alten Teil betrachten wir dann die Bilder der dänischen Künstler, in Erinnerung bleiben vor allem Hammershoi, Thorwaldsen und Eckersberg. Neben der dänischen Kunst gibt es französische Malerei, viel Matisse und Braque.

Unsere letzte Station ist das Arken Museum für Moderne Kunst, das 2012 Kooperationspartner bei „Connected by Art“ sein wird. Sehr modern, mit einem Mittelteil, das an ein Schiff erinnert. Passend zum Blick aufs Meer.
Soeben wurde eine Ausstellung eröffnet, die die gemeinsame Arbeit von Warhol und Basquiat zeigt. Sie haben 1983-85 130 gemeinsame Werke geschaffen, die durch ihre Unterschiedlichkeit einen großen Reiz auf den Betrachter ausüben.
Ein weiterer Anziehungspunkt ist die Installation von Olafur Eliasson „Der blinde Passagier“. Alles gegen den Strich gebürstet. Geht man sonst ins Museum, um etwas zu sehen, wird man hier ins Dunkel geführt, in einen 1,5km langen Tunnel, der lediglich mit Nebel gefüllt ist, nur durch unterschiedliche Farben des vernebelten Lichts unterbrochen. Man tastet sich durch und weiß nicht, was oder wer begegnet einem. Andere Sinne als das Auge sind gefragt. Eine interessante Erfahrung.
Das Museum arbeitet viel mit Kindern und legt Wert darauf, dass die Bewohner aus dem Umland zu ihnen kommen. Das scheint zu funktionieren. Wir sehen viele Familien mit kleinen oder größeren Kindern, die ihren Sonntag mit und bei der Kunst verbringen.

Es war ein intensives Programm und dank der guten Vorbereitung und der nimmer müden Erklärungen von Frau Blübaum hatten wir ein erlebnisreiches Wochenende und waren nun auch glückliche Menschen, wie es den Dänen nachgesagt wird. Und als wir wieder über Wasser heimwärts schippern, legt die untergehende Sonne einen langen goldenen Glücksstrahl aufs Wasser, den wir ebenfalls zu den Erinnerungen legen.

Verfasst von Gitta Lindemann

Gruppenbild vor dem Arken-Museum (ohne Fam. Beckmann)
Bild: Doris Blübaum

Marie Hager
Marktleben in Wismar,
l auf Leinwand
66 x 75 cm
Foto: E. Walford