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Finissage in Güstrow am 13. Februar 2016 - Ein Tag wie aus dem Bilderbuch

Samstag, der 13. Februar 2016, ein strahlender Wintertag, Sonne über Mecklenburg-Vorpommern. Schon die Fahrt von Schwerin nach Güstrow ist Labsal für die Seele. Kerstin Döring führt mich über die Landstraße - die Mittagssonne lässt das Buchenlaub am Waldesrand golden aufleuchten. Für mich ist es der erste Ausflug nach Güstrow und ich bin sehr gespannt auf diesen Teil der „Schlösser und Gärten“. Wie von Kerstin versprochen, erscheinen hinter dem letzten Hügel beeindruckend und trutzig das Schloß und vertrauenerweckend der Dom. Und ich freue mich, als Mitglied der Freunde ein wenig zum Erhalt dieses wichtigen Erbes beizutragen.
Im Ostturm ganz oben umringt bereits eine große Schar Besucher Christina May. Als Co-Kuratorin der Ausstellung erläutert sie die Wechselwirkungen zwischen Land Art, Film und Malerei im Werk von Oskar Manigk, zwischen Grafik und Literatur in Künstlerbüchern von Bert Papenfuß oder Holger Starks Performances mit Dichtern, Tänzerinnen und Musikern. Horst Hussel verbindet Grafik und Hörspiel. Eigenwillige Kunstorte in Mecklenburg machen neugierig, wie Schloss Plüschow und die Fliesenwerke-Galerie in Boizenburg. Im Mail Art-Archiv von Joseph W. Huber öffnen sich Einblicke in ein humorvolles internationales Netzwerk.
Wir Freunde, Edda und Klaus Paetow, Ulrike Tabbert mit ihrer Mutter, Anne Homann-Trieps und Wolfgang Höfer, Kornelia von Berswordt-Wallrabe und Bernd Niggemann, Christine Rutsch mit Sohn Casper, Antonia Napp mit Mann und den drei Kindern und Kerstin Döring und ich freuen uns darüber, als Freunde diese Finissage mit mehr als 80 Besuchern unterstützt zu haben.
Ein kleiner Spaziergang rund ums Schloß, ein Stück Kuchen in der Fluxus-Bar und schon geht es hinüber ins Wirtschaftsgebäude. Im alten Gewölbe moderner Sound, moderne Instrumente. Christina May mit ihrer Noise-Rock Band „ Phonautics“ aus Dortmund überrascht und begeistert als Singer-Songwriter (Liedermacherin). Der Katalogtext, zur Gitarre und Schlagzeug frei von ihr vorgetragen, hörte sich dann so an:
Mail Art entstand aus der Fluxus Bewegung. Ray Johnson studierte am Black Mountain College, verschickte schon in den 50ern Postkarten. Das eternal network entstand nach einer Idee von Robert Filliou.
Doch in Osteuropa hatte die Mail Art einen anderen Charakter.
Die Gründung des Mail Art Archivs in Schwerin geht auf das Jahr 1994 zurück. Kornelia von Berswordt-Wallrabe reiste nach Kaliningrad und besuchte dort die Internationale Mail Art Ausstellung. 1996 findet der Mail Art Kongress in Schwerin statt. Akteure des Netzwerks treffen sich wie Guy Schraenen aus Paris, Géza Pernecky aus Ungarn oder H.R. Fricker aus der Schweiz. Joseph W. Huber übergibt sein Mail Art Archiv nach Schwerin, Zeugnisse des Netzwerks in unzähligen Kisten, auf unzähligen Postkarten, in Briefumschlägen aus der ganzen Welt. Guillermo Deislers Bücher für den Frieden, Joseph W. Hubers Projekt für die Umwelt, Gierschs Trabbitür fürs Mobilsein ohne Auto und Manfred Butzmann gegen den Krieg.




Robert Rehfeldts Mail Art-Sprüche formten den Refrain des Liedes: „Künstler kommen und gehen Kunst aber bleibt“. Sphärische Klänge hatten die Musiker von N Meinein mitgebracht, etwas ungewohnt für viele von uns, die hohe Qualität machte neugierig.
Und Manfred Butzmann mittendrin, auf dem Boden sitzend hatte er alles im Blick, den Block vor sich unentwegt zeichnend, die Atmosphäre einfangend, Publikum und Künstler portraitierend.

Hinter mir die kleine Tochter von Antonia Napp, Fanny, die mit großen Augen an der „Sängerin“ Christina May hing, jedem Laut, jedem Wort lauschend mit dem festen Entschluß, auch einmal so großartig zu werden.
Anschließend der Ausklang mit den Künstlern in der Fluxus-Bar. Expertengespräche und Diskussionen über Kunst und die Möglichkeiten der Darstellung – ein großartiges Erlebnis rundherum. Uns hat es neue Perspektiven eröffnet, mutig gemacht für Experimentelles und Vorfreude geweckt auf weitere Abenteuer mit den Freunden.

Mechthild Bening
Freunde des Staatlichen Museums Schwerin e.V.

Marie Hager
Marktleben in Wismar,
l auf Leinwand
66 x 75 cm
Foto: E. Walford